[Leipzig] Der Codex Sinaiticus, die älteste erhalten gebliebene Bibel-Handschrift der Welt, ist seit dem 24. Juli 2008 online: www.codexsinaiticus.org/de/ Im Rahmen einer internationalen Kooperation soll bis Juli 2009 das gesamte Manuskript digital herausgegeben und über das Internet erstmals weltweit zugänglich gemacht werden. Führende Wissenschaftler, Konservatoren und Kuratoren arbeiten an diesem Projekt, das von den vier Hauptpartnern geleitet wird, die Teile der Handschrift aufbewahren: die Leipziger Universitätsbibliothek (hier sind 43 Pergamentblätter der Bibel), die Britische Nationalbibliothek in London, das Katharinenkloster auf dem Sinai und die Russische Nationalbibliothek in St. Petersburg.
Die digitale Ausgabe des Codex Sinaiticus zeigt auf mehrfach verlinkten Seiten: digitale Bilder jeder Seite in höchster Qualität in zwei Beleuchtungsversionen; eine Transkription des Textes ins Griechische, einschließlich aller Korrekturen; die Übersetzung ausgewählter Passagen u. a. ins Deutsche und Englische; die detaillierte physische Beschreibung jeder Seite. In der ersten Phase (bis November 2008) sind Texte aus den Psalmen, den Büchern Chronik, Esra, Esther, Jeremia und Klagelieder sowie aus dem Markusevangelium zu sehen.
Der Codex Sinaiticus ist eine Handschrift der christlichen Bibel auf Griechisch, die in der Mitte des 4. Jahrhunderts geschrieben wurde und die erste überlieferte vollständige Fassung des Neuen Testaments darstellt. Diese vierspaltige Bibelabschrift gilt als eines der größten Pergamentbücher der Antike. Sie war jahrhundertelang im St. Katharinenkloster im ägyptischen Sinaigebirge aufbewahrt worden (daher der Name “Codex Sinaiticus”). 1844 entdeckte der Leipziger Theologe Konstantin von Tischendorf die Pergamentblätter in einem Papierkorb des Klosters. Die Mönche erlaubten ihm, 43 von insgesamt 129 gefundenen Blättern mit nach Leipzig zu nehmen. 1859 kehrte Tischendorf mit Unterstützung des russischen Zaren noch einmal zurück und entdeckte weitere Fragmente, die dem Zaren geschenkt wurden. 1933 verkaufte die Sowjetunion 347 Blätter an das Britische Museum in London, sechs befinden sich noch in St. Petersburg. 1975 gab es nach einem Brand einen dritten Fund: Diese Blätter liegen noch im St. Katharinenkloster. (Adventecho)









