9. Februar 2012

Al-Shabaab-Miliz will christliche Hilfsorganisationen vertreiben

[Köln/Mogadischu] Die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz in Somalia hat mehreren christlichen Hilfsorganisationen die Arbeit in den von den Islamisten kontrollierten Gebieten untersagt. Nach Medienberichten wurden ADRA, Diakonia und World Vision aufgefordert, ihre Arbeit in Somalia sofort niederzulegen. Die radikalislamische Harakat al-Shabaab-al-Mujahideen werfen den Organisationen vor, die Bevölkerung missionieren zu wollen und will deshalb deren Hilfsleistungen blockieren.

ADRA geht davon aus, dass von einem Hilfestopp etwa 180000 Menschen in den Regionen Bakool, Bay und Hiraan betroffen wären. Die in 120 Ländern tätige Hilfsorganisation hat sich in Somalia auf Brunnenbauten und Trinkwasserprojekte konzentriert. Daneben engagiert sich ADRA besonders in der Schul- und Weiterbildung für die somalische Bevölkerung.

Als Unterzeichner des „Red Cross of Conduct“ halten sich ADRA und die anderen Hilfsorganisationen an internationale Standards und verfolgen klare Richtlinien, den Ärmsten zu helfen – unabhängig von ethnischer Herkunft und Religion. Demnach werden Hilfeleistungen nicht dazu benutzt, politische oder religiöse Anschauungen zu verbreiten.

So weit es die Umstände zulassen, will ADRA vor Ort bleiben und ähnlich wie World Vision erst einmal abwarten. In einem solchen Umfeld wie in Somalia ist es nicht ungewöhnlich, die Arbeit vorübergehend einzustellen und nach einigen Wochen wieder fortzusetzen.

World Vision ist über die jüngste Entwicklung entsetzt. „Das Schlimme ist, dass aktuell in Somalia rund 3,6 Millionen Menschen Nothilfe brauchen. Von einem Stopp unserer Arbeit sind mehr als eine Million Menschen vor allem in Gesundheits-, Ernährungs- und Bildungsprojekten betroffen“, so World Vision-Mitarbeiterin Amanda Koech. „Die humanitäre Lage in Somalia wird sich weiter verschlechtern.“

ADRA und World Vision engagieren sich in Somalia seit 1992 mit humanitärer Hilfe. Zu den Schwerpunkten zählen die Sicherung der Ernährung, die medizinische Grundversorgung und die Bildung.

Den Harakat al-Shabaab-al-Mujahideen werden Verbindungen zum internationalen Terrornetzwerk al-Qaida nachgesagt. Erst im Juli bekannte sich al-Shabaab zu einem Bombenattentat in Uganda, das mehr als 70 Menschenleben forderte. (mh/Bild: ADRA)