[Marburg] 1000 Fachleute aus Medizin, Psychotherapie und Kirchen treffen sich seit Mittwoch in Marburg zum 6. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge. “Wir sind erneut nach Marburg gekommen, weil wir die offene Atmosphäre der Stadt schätzen,” meinte Martin Grabe (Oberursel) zu Beginn. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist Vorsitzender der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge, die zum Kongress eingeladen hatte.
Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) begrüßte es, dass die APS in die Universitätsstadt gekommen sei: “Marburg ist eine Stadt, die für den offenen Diskurs eintritt.” Der SPD-Politiker beschrieb die öffentliche Diskussion im Vorfeld des Kongresses Kongress als Aufgabe, das Gespräch zu suchen. Unterschiedliche Lebensentwürfe müssten ausgehalten werden wie unterschiedliche Religionen und Kulturen. “Wer absolute Standpunkte vertritt, der ruft Widerspruch hervor, aber dieser kann zum Erkenntnisgewinn beitragen”, meinte Vaupel.
Ein großes Polizeiaufgebot stand vor der Stadthalle bereit, um Ausschreitungen zu begegnen. Den Kongress zu verhindern hatte sich ein Bündnis von Homosexuellenverbänden und linken Gruppen auf die Fahnen geschrieben. Deren Vorwürfe, der Kongress biete homosexuellen-kritischen Wissenschaftlern ein Forum, wies die APS zurück: Grabe:”Bei unserem Kongress geht es um ganz andere Fragen. Wir diskutieren in 120 Seminaren Themen, die mit der Identitätsfindung und Identitätsstörungen zu tun haben.” Der Vorsitzende warb gegenüber den Teilnehmern um Liebe zu den Demonstranten: “Hinter Hass steht immer eine enttäuschte Liebe.” Darum sollten Christen ihr Verhalten am Vorbild Jesu ausrichten und das auch im Umgang mit ihren Kritikern zeigen.
Um gegenüber den Studenten der Universität transparent zu sein, hatte der Veranstalter 10 Vertreter des AStA eingeladen, kostenlos am Kongress teilzunehmen. Der AStA lehnte es jedoch ab und verzichtete darauf, sich selbst ein Bild vom Angebot des Kongresses zu machen. Im Vorfeld hatte er die Tagung ebenfalls scharf kritisiert.
“Sogar in Kenia treffen sich während des Kongresses Christen, um für einen friedlichen Verlauf zu beten” war am Rande des Kongresses zu erfahren. “Uns sind die vielen Beter sehr wichtig”, so Martin Grabe, “weil wir uns wünschen, dass Gott auch den Demonstranten gutes tut.” 10 Teilnehmer sind allein darum nach Marburg gekommen, um während der ganzen Tagung zu beten.
Hauptreferent des Eröffnungsabends war die Dresdner Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz: Sie plädierte dafür, nicht vorschnell zu sagen, “So bin ich halt”. Vielmehr gelte es, am Beispiel des Paulus zu lernen, dass erst im Heraustreten aus sich selbst das eigene Ich entdeckt werden könne. Sie erinnerte an den dänischen Religionsphilosophen Soeren Kierkegaard der von zwei Varianten der Verzweiflung sprach: Verzweifelt man selbst sein wollen Und: Verzweifelt nicht man selbst sein zu wollen. Letztlich könne der Mensch erst dann sich selbst finden, wenn er einem anderen begegne.









