9. Februar 2012

Ehtik statt Religion

proreliWas Winnenden mit Berlin verbindet

Ein Kommentar von Anton Schosch

Aus den Augen, aus dem Sinn – sagt der Volksmund. In unserer “Hektomatikwelt” kann das Vergessen auch ein Segen sein. Unsere Sinne werden geradezu tsunamiartig von Katastrophenmeldungen überflutet: Wirtschafts-, Banken- und Finanzkrise, Amokläufe, Kindsausetzungen und –Tötungen – unser Unterbewusstsein erbringt eine Spitzenleistung nach der anderen in punkto „Verdrängen und Vergessen“. Winnenden – was war da noch mal?

Manchmal, da fallen mir Bilder ein, von Pappkartons, auf denen etwas unbeholfen geschrieben steht: Wo warst du, Gott? Und unaufgeschrieben schreit von derselben Fläche eine zweite Frage ins Land: Warum warst du nicht in der Schule und in den Klassenzimmern?

Es erinnert ein wenig an die Theologenfragen nach dem Zweiten Weltkrieg: Wo warst du Gott in Auschwitz? Wenn es ihm gut geht, fragt der Mensch kaum nach Gott, in den dunklen Lebensphasen eher. Not lernt beten – auch das weiß der Volksmund.

Wo warst du, Gott? – klingt gut, ist aber bei näherem Hinsehen dumm. Strohdumm. Der moderne Mensch schließt Gott systematisch aus seinen Lebensbereichen aus. Stück für Stück. Und dabei auch immer wieder aus den Schulen, Klassenzimmern und Pausenhöfen. Ein aktuelles, aber traurig-schönes Beispiel lieferte am vergangenen Wochenende die deutsche Hauptstadt mit ihrer rot-roten Regierung, unter der Führung ihres schwulen regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit ab. Religion wird kein Pflichtfach. Dasselbe Volk, das jetzt entschied, Gott raus aus der Schule, wird beim nächsten Schreckensereignis Pappkartons in die Höhe halten, mit „Wo warst du, Gott?“. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.

Ich habe noch zu einer Zeit eine staatliche Schule besucht, in der zu Beginn und am Ende ein Gebet gesprochen wurde. Sind schon paar Jahrzehnte her, etwas mehr als vier.

Ethikunterricht statt Religion. Wer Religionsunterricht in der Schule will, muss es freiwillig machen. Weil Religion Privatsache ist. Und der Staat sich da raushalten will und muss – wertneutral. Aber wie kann man wertneutral Werte vermitteln? Welche Werte? Solidarität? Gemeinsinn? Achtung der Autoritäten? Es ist so, als würde ein Blinder Farbenunterricht geben. Gerade ohne Gott geht es direkt in die Dunkelheit. Im Menschen wohnt nichts Gutes, sagt Gott in seinem Wort, der Heiligen Schrift. Aber wenn der Mensch ohne Gott seine Ethik des Stärkeren zum allgemeinen Maßstab macht, feiern Geiz und Gier, Gewalt und Thyranei, Selbstüberschätzung und Größenwahn fröhliche Urständ.

Religion ist Privatsache und so soll es bleiben. Gut, aber dann bitte nicht beim nächsten Horrorereignis, nach Gott fragen. Schulmassaker in Winnenden und der Volksentscheid in Berlin haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick erkennen kann.

Anton Schosch, Redaktion TENDENZEN, Nürnberg