[Hamburg] Im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen einen evangelischen Pastor in Ahrensburg, ist Maria Jepsen heute Nachmittag als Bischöfin der Nordelbischen Kirche zurückgetreten.
„Ich habe mein Bischofsamt angetreten mit dem mir aus Kindertagen vertrauten Psalmwort ‚Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Geschwister einträchtig beieinander wohnen!’ mit diesen Worten eröffnete die weltweit erste evangelisch-lutherische Bischöfin ihre Rücktrittserklärung. Und resigniert sinnt sie: „Fein und lieblich ist augenblicklich fast gar nichts in meinem bischöflichen Amt.“
Bereits vor elf Jahren soll die Bischöfin von den Vorwürfen gegen den früheren Pastor in Ahrensburg erfahren haben, der Ende der 70er- bis Mitte der 80er-Jahre vermutlich zahlreiche heranwachsende Jungen und Mädchen sexuell missbrauchte. Im NDR Fernsehen hatte Maria Jepsen dies dementiert und betont, nur von einer Affäre des Pastors mit einer Frau informiert worden zu sein. “Das Wort Missbrauch ist nie gefallen, da wäre ich unruhig geworden.“ Seit Mitte März untersuche ein Kirchengericht die Missbrauchsvorwürfe. Der Fall sei der Staatsanwaltschaft übergeben.
Obwohl für die Versetzung von Personal in der evangelischen Kirche die Pröbste und das Personaldezernat zuständig sind, stand die Bischöfin seit Tagen unter Beschuss. „Meine Glaubwürdigkeit wird angezweifelt“, erklärte Jepsen. „Von daher sehe ich mich nicht in der Lage, die frohe Botschaft so weiterzusagen, wie ich es bei meiner Ordination und bei meiner Bischofseinführung vor Gott und der Gemeinde versprochen habe.“
„Ich erwarte, dass die Missbrauchsfälle in Ahrensburg und anderswo zügig aufgeklärt werden und die Wahrheit ans Licht kommt.“ Die Bischöfin will von den Vorwürfen erst im Frühjahr 2010 erfahren haben. Die nordelbische Kirchenleitung um Bischof Gerhard Ulrich bedauerte Jepsens Rücktritt und bezeichnete es als „besondere Tragik, dass Bischöfin Jepsen mit ihrem Rücktritt Verantwortung für etwas übernimmt, das ihr in keiner Weise als persönliche Schuld angelastet werden kann und darf”. Jepsen habe „im Rahmen ihrer Verantwortung getan, was zu tun nötig war”.
Jepsen setzte sich als Bischöfin für soziale Gerechtigkeit und gegen jede Form von Diskriminierung ein. Sie demonstrierte gemeinsam mit Arbeitslosen und kämpfte für die Rechte der Obdachlosen. Nach dem 11. September 2001 engagierte sie sich zudem verstärkt für den interreligiösen Dialog.
Maria Jepsen, 65, wurde 1992 als weltweit erste evangelisch-lutherische Bischöfin gewählt. Dass Frauen sonntags auf der Kanzel stehen dürfen, war auch für Protestanten damals noch nicht völlig selbstverständlich. Erst im Jahr zuvor, 1991, hatte die evangelisch-lutherische Landeskirche von Schaumburg-Lippe als letzte der 23 evangelischen Landeskirchen in Deutschland die Frauenordination eingeführt. (mh)









