9. Februar 2012

Evangelikale erwarten Wiedergutmachung für Rufschädigung

[Stuttgart] Die Bundeszentrale für politische Bildung (Bonn) soll den Schaden, den sie durch diskriminierende Äußerungen über die evangelikale Bewegung angerichtet hat, wiedergutmachen. Das erwartet der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart). Er wird am 23. Dezember in Stuttgart ein Gespräch mit dem Präsidenten der Bundeszentrale, Thomas Krüger, führen. Krüger und ein von der Bundesbehörde finanziell unterstütztes Schülermagazin hatten schwere Vorwürfe gegen die Evangelikalen erhoben. Das Magazin Q-rage, das in einer Million Exemplaren an 20.000 Schulen verteilt wurde, hatte in einem Beitrag über den Jugendkongress Christival vom Frühjahr unter anderem behauptet, Evangelikale verbreiteten “erzkonservative, zum Teil verfassungsfeindliche Ideologien”.

In einem Empfehlungsschreiben für das Magazin schrieb der Präsident der Bundeszentrale: “In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamistische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben.” Steeb wertet die Äußerungen als “Agitation gegen entschiedene Christen”. Krüger rücke Evangelikale ohne Begründung in die Nähe von Verfassungsfeinden. Steeb forderte ihn auf, sich öffentlich für diese Darstellung zu entschuldigen und auch gegenüber den Empfängern, den Lehrern und Schülern, “diese Falschbehauptungen in aller Deutlichkeit klar zu rücken”.

Die Bundeszentrale, deren Arbeit im vergangenen Jahr mit 35,3 Millionen Euro aus Steuergeldern finanziert wurde, distanzierte sich daraufhin von dem Artikel in Q-rage. Sie halte diesen Beitrag „in seiner Einseitigkeit und Undifferenziertheit für gänzlich unakzeptabel”, so Krüger. Eine Gleichsetzung der evangelikalen Bewegung mit dem christlichen Fundamentalismus sei unangemessen und nicht zutreffend. Die Bundeszentrale habe den Artikel erst nach der Veröffentlichung der gedruckten Ausgabe zur Kenntnis genommen. In einem Brief an Steeb und die Schulen, die die Q-rage-Ausgabe erhalten haben, schreibt Krüger: “Sollte durch mein Empfehlungsschreiben der Eindruck entstanden sein, die in dem Artikel dargelegte Position werde von mir oder der Bundeszentrale für politische Bildung geteilt, so bedaure ich das sehr und entschuldige mich ausdrücklich.” (Adventecho)