[Burg bei Magdeburg] Erstmals steht eine Muslima im Dienst der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die studierte Erzieherin aus Syrien wird als pädagogische Mitarbeiterin im „Begegnungszentrum Hugenottenkirche“ in Burg bei Magdeburg tätig sein. Sie soll mit ihrer Kenntnis der arabischen Sprache und Kultur einen wichtigen Beitrag zur Verständigung der Kulturen leisten. Das Zentrum wurde von der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde St. Petri neu gegründet und dient der vielfältigen Begegnung von Einheimischen und Menschen mit Migrationserfahrung. Geduldeten und Verfolgten wird Unterstützung und Begleitung angeboten.
In einem Gottesdienst zur Eröffnung des „Begegnungszentrums Hugenottenkirche“ dankte Pfarrerin Sigrid Neumann der Theologischen Hochschule Friedensau für die langjährige logistische Unterstützung und für das Engagement von Praktikanten in der bisherigen Arbeit mit Migranten. Die Studierenden der Friedensauer Hochschule hätten nicht nur ein Praktikum im Rahmen ihres Studiums absolviert, sondern mit ihrer Motivation gezeigt, dass sie vom Geist Christi getrieben seien, so die reformierte Pfarrerin. Dafür sei ihre Gemeinde dankbar.
Einen wesentlichen Teil des Begegnungszentrums bildet der „Kinderclub International“, in dem bislang rund 25 Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren aus dem Irak, der Türkei, dem Kosovo, Tansania und arabischen Ländern zusammenkommen. Der Kinderclub wurde 2005 von Angehörigen der Hochschule Friedensau als „Bunte Brücke“ unter dem Dach der Adventjugend gegründet. 2007 ging der Kinderclub in die Trägerschaft der evangelisch-reformierten Gemeinde über und wurde als Modellprojekt im Rahmen des Programms „Vielfalt tut gut“ der Bundesregierung gefördert. Mit der Errichtung des „Begegnungszentrums Hugenottenkirche“ wird der Kinderclub nun vollständig aus Mitteln der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland finanziert.
Geleitet wird der „Kinderclub International“ von Jana Kaufmann. Sie studierte an der Theologischen Hochschule Friedensau Sozialwissenschaften und arbeitete bereits während ihres Studiums ehrenamtlich im Kinderclub. Nach dem Ende ihres Studiums war sie beim Evangelischen Kirchenkreis Elbe-Fläming für die Arbeit mit Migranten in der Stadt Burg zuständig. Dabei wuchs ein Vertrauensverhältnis zu vielen Familien mit internationaler Herkunft. „Dass der Kinderclub im ‚Begegnungszentrum Hugenottenkirche‘ nun ein festes Zuhause gefunden hat, ist das Ergebnis langjähriger Arbeit vieler Beteiligten“, so Jana Kaufmann. Der Kinderclub führt Kinder und Jugendliche verschiedener Religionen und Kulturen im gemeinsamen Spielen zueinander und ermöglicht interkulturelle Freundschaften. Dabei ist den Mitarbeiter wichtig, dass in ihrer Arbeit der Geist Christi erfahrbar wird und sie ein Beispiel für Nächstenliebe geben. Wenn Kinder nach einem Streit nicht auf ihre Ehre und eine Vergeltung bestehen, sondern die Hand zur Entschuldigung ausstrecken und Versöhnung möchten, sei das für sie ein heiliger Moment, berichtete die Leiterin. Neben einem offenen Spielangebot umfasst der Kinderclub einen Mädchentreff, ein Elternfrühstück und jedes Jahr eine Sommerferienwoche mit spannenden Unternehmungen. Eine Jungengruppe sei in Kooperation mit der Adventgemeinde geplant.
Die Evangelisch-reformierte Gemeinde St. Petri in Burg wurde von hugenottischen Flüchtlingen gegründet. Die französischen Protestanten fanden im 17. Jahrhundert Zuflucht in der Stadt und wurden in das gesellschaftliche Leben integriert. Für die Gemeinde resultiert aus der eigenen Geschichte die Verpflichtung, sich besonders für Flüchtlinge und Migranten in ihrer Stadt einzusetzen.










