“The Tree of Life” (Baum des Lebens) ist das neue Meisterwerk von Terrence Malick. Das dürfte reichen, theoretisch bedarf es keiner anderen Worte, meint Philipp Schleinig. Eine Filmkritik.
Terrence Malick, der Regisseur von Filmen wie “Der Schmale Grat” (einer der besten Anti-Kriegsfilme aller Zeiten) und “The New World“ macht seinem Ruf als Poet des Kinos alle Ehre, denn er schuf ein Werk, das in seiner Gesamtheit eine wahre ästhetische Augenweide ist – in Bild, Handlung und Ton.
Doch mag wohl manch einer verwirrt fragen, was der Film denn erzähle, beziehungsweise wie man ihn deuten könne. Die Lösung liegt so klar auf der Hand, wie die nur eine mögliche Deutung eines Rorschach-Bildes. Ich gebe wohl zu, es bedarf an einigen Stellen eines langen Atems und einer gewissen Wachsamkeit, wenn Malick sich auf eine recht lange und vor allem weitgreifende Rückblende stützt, um schließlich zu seinem Handlungsschwerpunkt zu gelangen – einer Familie im Vorstadtidyll einer texanischen Großstadt. Die drei Kinder der Familie erfahren von der Mutter (Jessica Chastain) Sanftmütigkeit und ein gewisses Gottvertrauen, vom einschüchternden Vater (Brad Pitt) allerdings Ehrfurcht und Strenge. Mit einem Ereignis in der Familiengeschichte hat dann der älteste Sohn auch als Erwachsener (Sean Penn) noch zu kämpfen.
Die Bilder, seien sie vom Urknall oder aus dem Vorstadt-Familien-Kindheits-Leben gegriffen, sind – so paradox es auch klingt – wunderbar natürlich inszeniert und beeindruckend. Ohne zusätzliche Lichteffekte auskommend, führen die Bilder wie in einem berauschenden Tanz durch einen Ausschnitt einer Kindheit, die einem jeden im Ansatz hätte gehören können. Gesprochen wird kaum, aber um Stimmungen, Geschehnisse und Gefühle zu vermitteln, ist man auch nicht auf Worte angewiesen. In seiner Inszenierung erzählt der Film fast wie von allein, die Schauspieler tragen ihr Übriges dazu bei.
Auch stellt sich der Film die eventuell berechtigte Frage nach einer religiösen oder naturwissenschaftlichen Weltdeutung einfach nicht. Eher distanziert sich Malick durch die Verbindung von Bibelzitaten und möglichen Bibelinterpretationen mit einer natürlichen Darstellung der Erdentwicklung von jeglichem Deutungswillen. Und – zurück zum Anfang – sehe ich wohlmöglich eine Vater-Sohn-Geschichte, sieht mein Nachbar die Erzählung Hiobs und doch hätten wir, ähnlich der angesprochenen Klecksographie, beide Recht. Wer letztendlich nichts zu sehen vermag, darf sich umso freier einfach dem Film aussetzen.
Mit welcher Intention auch immer – ein Baum des Lebens wurde zur Goldenen Palme, und das zu Recht.
Philipp Schleinig, geboren 1990, studiert Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin. In seinem Blog “filmipp” rezensiert er regelmäßig aktuelle Kinofilme.













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