9. Februar 2012

New York: Theologe Küng stellt bei UNO “Wirtschaftsethos” vor

[New York/USA] Der Schweizer Theologe Hans Küng hat in New York ein neues Grundsatzprogramm für ethisches Verhalten in der Wirtschaft vorgestellt. Die “Erklärung zu einem Globalen Wirtschaftsethos” lege fest, was im wirtschaftlichen Alltag “rechtens, gerecht und fair” ist, sagte Küng in seiner Rede am UN-Hauptsitz am Dienstag (Ortszeit) in New York. Die Globalisierung führe nur dann zu Wohlstand, wenn sich alle Menschen grundsätzlich aufeinander verlassen könnten.

“Seit Beginn der gegenwärtigen Krise war der Ruf nach einem ethischen Rahmen für die globalen Finanz- und Wirtschaftsmärkte laut aus vielen Ländern der Welt zu vernehmen”, sagte Küng. Zwar dürfe jeder Mensch seine wirtschaftlichen Eigeninteressen verfolgen, müsse dabei aber ethische Rahmenbedingungen einhalten.

Das von Küng und anderen Intellektuellen aufgestellte Programm stützt sich auf Werte wie Menschlichkeit, Gewaltlosigkeit und Respekt für das Leben, Gerechtigkeit und Solidarität, ferner auf Ehrlichkeit und Toleranz sowie gegenseitige Achtung und Partnerschaft. Das neue Programm soll die 1993 aufgestellte “Weltethoserklärung des Parlaments der Weltreligionen” auf die Wirtschaft übertragen. Die Unterzeichner des Dokuments verpflichten sich, den Grundsätzen bei allen wirtschaftlichen Entscheidungen, Aktivitäten und generell mit ihrem Verhalten zu folgen. Zur Rechenschaft können Unterzeichner allerdings nicht gezogen werden.

Zu den ersten Unterzeichnern der Erklärung gehören die frühere Präsidentin von Irland und ehemalige UN-Menschenrechtskommissarin, Mary Robinson, der amerikanische Wirtschaftsprofessor Jeffrey Sachs sowie der südafrikanische Friedensnobelpreisträger und anglikanische Erzbischof Desmond Tutu. (KAP)