
Die Jenaer Erziehungswissenschaftlerin Nadine Schlomske erforscht die Leistungsbewertung mit Unterstützung einer speziellen Software. Foto: Anne Günther/FSU
[Jena] Der Lehrer mag mich nicht, nur deshalb hat er mir so eine schlechte Note gegeben. Wer kennt solche Klagen von Schülern nicht? Versuche, die Notengebung in Schule und Universität objektiver zu gestalten, gibt es einige. Nadine Schlomske von der Friedrich-Schiller-Universität Jena prüft derzeit den viel versprechenden Ansatz einer Leistungsbewertung mit Unterstützung einer speziellen Software.
Die Erziehungswissenschaftlerin setzt seit zwei Jahren im Rahmen ihrer Promotion die an der Universität Freiburg/Brsg. von Dr. Pablo Pirnay-Dummer entwickelte Software T-MITOCAR ein. Mit Hilfe dieser Software werden Klausuren von Schülern oder Studenten mit dem Idealergebnis, das der Lehrer vor der Prüfung verfasst hat, verglichen. In der automatisierten Analyse werden die Übereinstimmungen und Abweichungen vom Ideal sowie Lernfortschritte grafisch dargestellt. „Damit wird die Bewertung objektiver und dadurch für den Schüler gerechter“, ist Schlomske von der Zuverlässigkeit des Systems überzeugt. Auch die Lehrer gewinnen, da das System schneller ist als der Mensch. „Mit diesem Instrument können Lernverständnis und -ergebnis geprüft und für zukünftige Anforderungen vorhergesagt werden, wenn es funktioniert, wie erwartet“, sagt die Jenaer Erziehungswissenschaftlerin. Und die 29-jährige Jenaerin ist optimistisch: „Die bisherigen Ergebnisse lassen erwarten, dass es funktioniert“. Immerhin hat sie es bereits an den Klausuren von 180 Studierenden getestet. Jetzt stehen die Analysen von rd. 100 Schülertexten aus der gymnasialen Oberstufe bevor.
Wenn die Software wie erhofft funktioniert, lässt sie sich auch in Hochschulen und der Fortbildung einsetzen. „Sie kann auch als Instrument der Selbstbewertung für Lernende verwendet werden“, ist sich Nadine Schlomske sicher. „Es bleibt allerdings ein Hilfswerkzeug, das die Lehrenden unterstützen soll“, betont Prof. Dr. Michaela Gläser-Zikuda. Die Lehrstuhlinhaberin für Schulpädagogik und Didaktik, die Schlomskes Dissertation betreut, ist sich aber sicher: „Wenn es funktioniert, wird diese Software die Lehr-Lern-Kultur verändern“.









