9. Februar 2012

Sudan: Lehrerin wegen eines Teddy-Namens bestraft

Im Sudan ist die englische Grundschullehrerin Gillian Gibbons am 29. November wegen Verunglimpfung des Propheten Mohammed zu 15 Tagen Haft verurteilt worden. Danach soll sie in ihr Heimatland abgeschoben werden. Der Grund für die Verurteilung: Sie hatte ihren siebenjährigen Schülern einen Teddybären mitgebracht, dem sie einen Namen geben sollten. Die Kinder entschieden sich für Mohammed. Das entrüstete einige muslimische Eltern. Nach Protesten islamischer Extremisten wurde die 54-jährige Pädagogin am 25. November in einer Privatschule in Khartum festgenommen. Nach dem im Norden des Sudans geltenden islamischen Gesetz, der Scharia, hätte sie auch zu 40 Stockhieben oder einer Geldstrafe verurteilt werden können.

Noltensmeier: Scharia für Nicht-Muslime?
Auf Anfrage von idea nahm der Sudan-Beauftragte des Rates der EKD, der frühere lippische Landessuperintendent Gerrit Noltensmeier (Detmold), zu dem Fall Stellung. Er beklagte, dass der Sudan die Scharia im überwiegend von Muslimen bewohnten Norden des Landes zum staatlichen Gesetz erhoben habe. Dadurch könne die Justiz mit Menschen nicht-islamischer Prägung nicht angemessen umgehen, und dies sei ein Skandal. Auch im Norden lebten Angehörige religiöser Minderheiten. Im Sudan ist der Islam Staatsreligion. Von den rund 30 Millionen Einwohnern sind 65 Prozent Moslems, 24 Prozent Christen und elf Prozent Anhänger von Naturreligionen.

Wo bleibt der gesunde Menschenverstand?
Der Fall der englischen Lehrerin hat auch zu politischen Spannungen geführt. Der britische Außenminister David Miliband appellierte gegenüber dem sudanesischen Botschafter Omer Mohammed Siddig an den “gesunden Menschenverstand”. Frau Gibbons habe den Propheten nicht beleidigen wollen. Ihr Verteidiger Kamal Dschizuri hatte darauf aufmerksam gemacht, dass viele Muslime Mohammed heißen. Was geschehe, wenn einer von ihnen zum Dieb würde, fragte der Rechtsanwalt. Hochrangige Vertreter der Muslime in Großbritannien haben das Vorgehen der sudanesischen Justiz verurteilt. Der Generalsekretär des Muslimischen Rats, Muhammad Abdul Bari, zeigte sich entsetzt. Niemals habe die Lehrerin den Islam beleidigen wollen.

Lehrerin wollte ein neues Leben beginnen
Frau Gibbons – Mutter von zwei erwachsenen Kindern – war erst seit fünf Monaten im Sudan tätig. Zuvor war sie stellvertretende Rektorin einer Grundschule im nordenglischen Liverpool. Nach der Scheidung von ihrem Mann Peter, der dort als Rektor fungierte, wollte sie ein neues Leben beginnen. Im Juli reiste sie in den Sudan aus, um an der privaten Unity High School zu unterrichten. Diese 1902 gegründete Einrichtung besuchen rund 750 Kinder muslimischer und christlicher Eltern. Die Schule ist offen für Schüler jeglicher Religion und Volkszugehörigkeit. Sie wurde als christliche Mädchenschule gegründet – seit 1985 werden auch Jungen unterrichtet – und wird von Kirchen in Khartum getragen. Vorsitzender des Leitungsgremiums ist der anglikanische Bischof Ezekiel Kondo. (Adventverlag)