9. Februar 2012

Wenn Prediger faule Kredite als “Segen” verkünden

[New York/USA] Die Verkündigung eines Wohlstandsevangeliums in manchen US-Kirchen hat die Finanzkrise verschärft und die Zahl der Opfer vergrößert. Davon ist der Religionswissenschaftler Prof. Jonathan Walton von der Universität von Kalifornien (Riverside) überzeugt. Er erforscht unter anderem die Pfingstbewegung. Die zentrale Verheißung des Wohlstandsevangeliums – dass Gott den Armen den Weg zu einem genussvolleren Leben bahne – habe während des Booms fauler Kredite gefährliche Formen angenommen, sagte Walton dem New Yorker Nachrichtenmagazin TIME. Gemeindemitglieder mit zweifelhaften Hypothekendarlehen seien verleitet worden zu glauben, dass Gott die Banken dazu gebracht habe, mangelnde Kreditwürdigkeit zu ignorieren und sie “mit ihrem ersten Haus gesegnet” habe. Das habe katastrophale Folgen gehabt: Viele Christen seien gierigen Maklern in die Hände gefallen.

Ähnlich äußert sich die Pfingstbewegungsexpertin Anthea Butler von der New Yorker Rochester-Universität. Sie habe gehört, wie Pastoren Gemeindemitgliedern versichert hätten, Gott könne sie auch bei mangelnder Kreditwürdigkeit segnen: “Wenn ihr nur Glauben zeigt – sprich der Kirche eine große Spende zukommen lasst – dann werdet ihr das Haus oder das Auto oder die Wohnung bekommen.” Der Chefredakteur des Magazins Charisma, J. Lee Grady (Lake Mary/Bundesstaat Florida), ergänzt: “Wenn die Leute dann das Haus tatsächlich bekamen, dachten sie, es sei eine Gebetserhörung; doch in Wahrheit war es ein faules Bankgeschäft.” Der Glaube und der Wirtschaftsoptimismus seien – so TIME – “eine giftige Verbindung mit einem pathologischen Markt” eingegangen. (Adventecho/idea)