
Kommentar zum Volksbegehren in der Schweiz
Ein ganz großer Paukenschlag für und in Europa: Die Bürgerinnen zwischen Genfer-, Luganer- und Zürichsee wollen keine islamischen Minarette in ihrem neutralen Land. Sind die Schweizer intolerant und fremdenfeindlich? Nein, im Gegenteil!
Schweizer sind gastfreundlich, zuvorkommend und tolerant. Aber sie sind selbstbewußt genug, um nicht jeden Tag für die ganze Welt jedermanns Liebling sein zu wollen. Keine Toleranz mit den Intoleranten – dieser Satz geht auf Heiner Geißler zurück. Es hätte ihn auch ein Eidgenosse jenseits des Rheinfalls prägen können. Liberaler Toleranz fiel der Filmregisseur Theo van Gogh vor gut fünf Jahren in Amsterdam zum Opfer. Schweizer haben schon oft Zeichen der Zeit als erste erkannt.
Die deutsch-türkische Rechtsanwältin Seyran Ates, Berlin, veröffentlichte im renommierten Ullstein Verlag jüngst das Buch „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution“ und lebt seit Wochen im Untergrund, es hagelte Mordaufrufe und handfeste Drohungen. In Köln wurde der Grundstein gelegt für die größte Moschee (35 Meter hoch), mit gleich zwei 55-Meter-hohen Minaretten. Deutschland im Herbst 2009.
Jüngste Umfragen ergaben, dass junge Türken in Deutschland – teilweise in 3. Generation hier geboren – sich viel konservativer gebärden und radikaler denken als ihre Eltern. Sie genießen nicht nur die religiöse Freiheit, sondern nehmen diese auch offensiv in Anspruch. Bisweilen auch offensiver als sie es in ihrem ethnologischen Heimatland am Bosporus dürfen (z.B. Kopftuch).
Es sind gut 30 Jahre her, da unterhielt ich mich mit einem türkischen Religionslehrer, der auf städtische Kosten unter Beteiligung der Bayerischen Staatsregierung islamischen Unterricht für türkische Schüler an einem Nürnberger Gymnasium gab. Diese Tatsache selbst, wertete er als ein Zeichen dafür, dass das Christentum im Vergleich zum Islam die schwächere Religion sei und abgewirtschaftet habe, sonst wäre er nicht hier. Einen umgekehrten Fall könnte er sich nicht vorstellen. Die türkische Regierung würde das nicht zulassen. Das Gespräch fand 1978 statt.
Als vor über 2.500 Jahren Heiliges im alten Babylonien entheiligt wurde, schrieb eine Hand die Wortzeichen an die Wand: Gewogen und zu leicht gefunden. In derselben Nacht ging das mächtige babylonische Reich unter.
Nein, die Geschichte wiederholt sich nicht. Aber manche Zeiten und Ereignisse weisen bisweilen erstaunliche Parallelen auf. Und vielleicht ist auch was dran, dass Schweizer schon öfter als erste die Zeichen an der Wand der Geschichte erkannten – unbewußt natürlich.
Anton Schosch, Redaktion TENDENZEN, Nürnberg









